Dreizehn Siegel - Eine Gilde der Allianz in der Festung der Stürme

Dreizehn Siegel Allianz Gilde

Kapitel 19 – Kampf im Inneren

Eine angespannte Stimmung herrschte in der Kommandozentrale der Dreizehn Siegel. Vidsyn nahm auf einem der zahlreichen Stühle Platz, die rund um den riesigen Tisch aufgestellt waren. Raven, den alle Anwesenden zurecht fürchteten, stand wie ein Wachhund hinter ihr. Nun waren die Dreizehn Siegel endlich wieder vereint, doch wollte sich einfach keine richtige Freude bei den Mitgliedern einstellen. Jhoro, Boomy, Saba, Honigblume und vor allem Gimply erkannten Vidsyn einfach nicht wieder. Eine kalte, fast schon böse Aura ging von ihr aus. Selbst als Vidsyn vor einem Jahr ihr Schicksal als Drache erkannte, kämpfte sie immer zum Wohle der Allianz und hegte keine bösen Gedanken. Doch scheint die Vidsyn von Damals noch immer in einem Schlaf gefangen zu sein… oder sie existiert nicht mehr.

„Abraxasar nehme ich an, richtig?“, sagte Vidsyn in ihrem mittlerweile typischen monotonen Ton. Abraxasar nickte und schaute der Schurkin in die Augen. Eine Situation die Abraxasar sich nicht gewünscht hatte trat ein. „Also ist dies hier der jämmerliche Rest, den die Allianz zur Verteidigung der Königreiche aufgestellt hat?“, fragte die Schurkin nach und fixierte Abraxasar. Erneut nickte der Anführer der Dreizehn Siegel nur und schwieg. Er versuchte einen Reim auf das seltsame Verhalten der Schurkin zu finden, doch war diese Lösung schwerer zu finden, als er erhofft hatte.

„Wie steht es um Azeroth?“, fragte Vidsyn frei heraus und verschränkte ihre Arme. Abraxasar seufzte. „Nicht gut, Vidsyn. Nefarian konnte mit Hilfe des Lichkönigs eine beachtliche Armee aus niederen Drachen aufstellen. Seine Heere zogen Mordend durch die östlichen Königreiche und löschten jeden Widerstand auf der Stelle aus. Sturmwind, Unterstadt, ja selbst die mächtige Eisenschmiede konnte der Invasion nichts entgegen stellen. Momentan bleiben der Allianz nur noch zwei sichere Standorte. Darnassus, in dem ihr euch nun befindet und die Beutebucht.“, erklärte Abraxasar in einem möglichst ruhigen Ton, doch war nun selbst er bei dem Anblick Vidsyn’s nervös.

„Kalimdor?“, hakte Vidsyn nach und legte ihre Stirn in Falten.

„Die Horde blieb weitestgehend verschont. Onyxia griff zwar in den Krieg mit ein, doch wurde sie bereits im Brachland durch eine Geheimwaffe der Horde gestoppt. Ein untoter Drache, den die Verlassenen erschaffen haben. Alle Mitglieder der Horde befinden sich momentan in Orgrimmar oder Donnerfels. Silbermond und die Unterstadt sind ebenfalls gefallen.“, erklärte Abraxasar erneut. „Ihr erwähntet die Beutebucht, warum fiel dieser dreckige Ort nicht auch meinem Vater zum Opfer?“, meinte Vidsyn beiläufig, als sie ihr Schwert betrachtete.

„Tirion Fordring hat kurz nach Kriegsbeginn den Argentumkreuzzug gegründet. Anscheinend gab es einen Zwischenfall an der Kapelle des hoffnungsvollen Lichts mit dem Lichkönig, der ihn zu diesem Schritt bewegte. Der Kreuzzug ist momentan unsere einzige Hoffnung, um Nefarian zu stoppen. Er wählte die Beutebucht als vorübergehenden Stützpunkt in diesem Krieg, da die Bucht relativ leicht zu verteidigen sei.“

Vidsyn hörte Abraxasar aufmerksam zu und dachte nach. Tirion Fordring, sie kannte diesen Mann sehr gut. Ein vom Licht fehlgeleiteter Bastard. Sein alter Orden, die Silberne Hand, war Vidsyn nur allzu vertraut. Wenn Fordring seine Finger im Spiel hat, würden es doch nicht so einfach werden, ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Doch allein die Tatsache, das ihr Vater derartig schwach geworden war, erfreute sie sehr. Der Nefarian, den Vidsyn kannte, wäre lieber ehrenvoll Abgetreten, als sich vom Lichkönig unterwerfen zu lassen. Vidsyn bekam weitaus mehr Informationen als sie gedacht hatte, ein sehr erfolgreiches Gespräch. Doch blieb eine Frage noch offen.

„Wie weit ist die Epidemie ausgebrochen?“, fragte Vidsyn und blickte von ihrem Schwert auf, in die entsetzten Gesichter aller Anwesenden. Sie alle wussten, das Vidsyn ein langes Jahr lang geschlafen hatte, sie hätte nichts von den Abaddon wissen dürfen. Selbst Abraxasar schien diese Frage sehr zu überraschen, da er lange mit seiner Antwort zögerte.

„Die Epidemie ist auf allen Kontinenten ausgebrochen, selbst in der Scherbenwelt gibt es vereinzelt Berichte über Sichtungen von Abaddon.“

Vidsyn gab keine Antwort. Sie hatte gehofft, das die Epidemie noch nicht ausgebrochen sei. Abaddon’s sind sehr lästige Kreaturen, die das weitere Handeln stark stören könnten.

„Also gut, ich denke das reicht vorerst.“, sagte Vidsyn und stand von ihrem Stuhl auf. „Gimply, zeige Vidsyn und ihrem Begleiter bitte ihren Raum. Vidsyn, ihr dürfte hier solange verweilen wie ihr möchtet. Ich würde morgen gerne noch einmal mit euch reden.“, sprach Abraxasar und stand nun ebenfalls auf. Gimply stand bereits an der Tür und beobachtete Vidsyn genau. Seit dem Wiedersehen mit ihr fühlte er ein sehr ungutes Gefühl in sich aufkeimen. Vidsyn nickte Abraxasar beiläufig zu und ging auf Gimply zu. Raven folgte ihr mit einem sehr zufriedenen Grinsen.

Einige Minuten später führte Gimply seine ‘Gäste’ zu einem Tür, unweit entfernt vom Kommandoraum. „Das hier ist dein Raum. Wenn du etwas brauchst, sag’s mir.“, meinte Gimply und stellte sich neben die Tür. Vidsyn beachtete den Gnom nicht weiter und öffnete die Tür zu einem außerordentlich geräumigen Zimmer. Ein großes Doppelbett, das einzige was Vidsyn in diesem Augenblick interessierte, stach ihr sofort ins Auge. Zusammen mit Raven betrat sie das Zimmer und knallte Gimply regelrecht die Tür vor der Nase zu.

Gimply seufzte und trat den Rückweg zu Abraxasar an. Sein ungutes Gefühl wurde erneut bestätigt. Langsam bekam er das Gefühl, dass dieser Raven nicht ganz unschuldig war an dieser Situation.

„Was hast du vor?“, fragte Raven als er sich auf das riesige Bett schmiss und an die Decke starrte. „Diese Dreizehn Siegel könnten noch von nutzen sein. Ich sollte mir noch Zeit lassen sie zu beseitigen.“, erklärte Vidsyn und setzte sich auf die Bettkante gegenüber von Raven.

„Du willst den Verein hier auslöschen? Da hast du dir aber viel vorgenommen. Ich weiß nicht ob das eine so gute Idee ist.“, meinte Raven stirnrunzelnd. Vidsyn krabbelte über das Bett zu Raven und beugte sich direkt über sein Gesicht. Raven’s Herz explodierte förmlich. Seit einer halben Ewigkeit hatte er auf diesen Augenblick gewartet. „Vertrau mir, mein Chevalier. Doch muss ich mich noch bei dir bedanken, dass du mich aus diesem endlosen Schlaf befreit hast. Lass mich dir erkenntlich zeigen.“, sagte Vidsyn leise und das erste mal seit ihrem Erwachen lächelte sie.

Zurück im Kommandoraum platzte Gimply in eine hitzige Diskussion der Mitglieder herein.

„Vidsyn kann sich an nichts erinnern, sie weiß nicht einmal mehr, wer wir sind!“, brüllte Honigblume vollkommen aufgelöst durch den Raum. Zusammen mit den anderen Mitgliedern der Dreizehn Siegel saß sie an dem großen Tisch.

„Trotzdem bleibt Vidsyn unsere einzige Möglichkeit, diesen sinnlosen Krieg in den östlichen Königreichen zu beenden. Wir müssen darauf vertrauen, dass sie ihre Erinnerungen an uns bald wieder erlangen wird.“, erklärte Abraxasar ruhig. „Und was wenn nicht? Eine böse Präsenz geht von ihr aus, momentan kann niemand einschätzen, was sie tun wird.“, sagte Gimply und setzte sich nun ebenfalls an den Tisch. „Ich traue diesem Raven nicht. Mich würde es nicht wundern, wenn er seine Finger im Spiel hat und Vidsyn irgendwie manipuliert.“, fügte er hinzu und verschränkte seine kurzen Arme. Abraxasar seufzte und steckte sich seine Pfeife an.

„Raven hat nichts mit dem fragwürdigen Verhalten von Vidsyn zu tun. Er fungiert als ihr persönlicher Vertrauter, er tut das, was sie ihm aufträgt. Nicht mehr und nicht weniger. Raven ist ein Chevalier.“, erklärte Abraxasar und nahm einen tiefen Zug seiner Pfeife.

„Ein Chevalier? Ich habe in einem Buch über so einen Chevalier gelesen. Sie wurden von ihrem ‘Meister’ aus dem Reich der Toten zurückgeholt und dienen diesem dann ohne Widersprüche. Ich hätte nie gedacht das dieser Raven ein Chevalier ist.“, meinte Gimly und kratzte sich nachdenklich am Kopf.

„Raven scheint bereits seit dem ersten Krieg ein Chevalier zu sein.“, fügte Abraxasar hinzu. „Dort wo sein Tagebuch plötzlich aufhört, muss die Verwandlung stattgefunden haben. Vidsyn hat ihn während eines Zwischenfalles in Brill zu ihrem Vertrauten gemacht.“

„Zwischenfall?“, hakte Gimply sofort nach.

„Ich habe mir die Freiheit genommen, einige Notizen aus den Archiven von Brill zu studieren. Anscheinend gab es während des ersten Krieges einen Ausbruch einer Epidemie in Tirisfal. Noch heute herrscht absolutes Stillschweigen über diese Epidemie, nur wenige Personen wissen davon. Eine unbekannte Person löste das Problem mit den Abaddon und ließ nur wenige Überlebende zurück, wahrscheinlich meinten sie damit Vidsyn. Allerdings weiß ich noch immer nicht, warum Vidsyn damals die Abaddon gejagt hat und vor allem, wie sie diese Kreaturen töten konnte.“, erklärte Abraxasar seinen Mitgliedern. „Wir sollten nur allerdings alle etwas schlafen. Ich bin mir sicher, das es für alle ein anstrengender Tag war. Morgen werden wir alles weitere besprechen. Das Licht sei mit euch.“, fügte Abraxasar freundlich hinzu.

Der nächste Tag brach über Darnassus herein. Ein weiterer Tag unter der Kontrolle des schwarzen Drachenschwarms. Bereits in den frühen Morgenstunden berichteten Späher über vermehrte Aktivitäten der Drachen in den Ruinen von Dolanaar und Auberdine, ein weiterer Angriff stand anscheinend unmittelbar bevor. Des Weiteren erreichten besorgniserregende Neuigkeiten aus Beutebucht die Oberbefehlshaber der Allianz.

Abraxasar rief seine Mitglieder und Vidsyn zu einem entscheidenden Treffen in den Kommandoraum der Dreizehn Siegel. Nachdem alle noch etwas schläfrig ihre Plätze eingenommen hatten begann Abraxasar.

„Meine Freunde, es gibt leider sehr schlechte Neuigkeiten. Heute Nacht infiltrierte der schwarze Drachenschwarm die Beutebucht und zwang den Argentumkreuzzug zum sofortigen Rückzug.“

Eine entsetzte Stille lag in der Luft. „Wohin hat sich der Kreuzzug zurückgezogen?“, fragte Vidsyn monoton nach. „Der Kreuzzug und ein Großteil des Dampfdruck-Kartells konnte mit Schiffen flüchten. In diesem Augenblick befestigen sie das leere Sturmwind gegen die Drachen.“, sagte Abraxasar. Raven konnte nicht anders, er lachte lauthals los. Vidsyn drehte ihren Kopf langsam zu ihm und funkelte ihn böse an. „Was ist daran so witzig, Raven?“, platzte es aus Gimply heraus. „Nichts, es ist nichts.“, sagte er und versuchte dabei ein ernstes Gesicht zu machen. Vidsyn freute sich über diese Wendung der Ereignisse. Wenn der Kreuzzug nun in Sturmwind war, würden sie die folgende Nacht nicht überleben. Raven’s Berichte sprechen von unzähligen Abaddon in der Stadt. Er selbst konnte nur mit Mühe zusammen mit Vidsyn aus der verfluchten Stadt entkommen.

„Wir müssen sofort handeln und unsere Pläne beschleunigen. Fordring bat die Dreizehn Siegel und die Allianz um Hilfe in diesem Krieg. Wir werden die Speerspitze in einem Großangriff gegen Nefarian bilden. Irene, erläutere bitte den Plan.“, sprach Abraxasar und deutete auf Irene, die wieder neben ihrem Zeichenbrett stand. Erneut schnippte sie mit ihren Fingern und eine genaue Skizzierung des Schwarzfelses erschien vor allen Anwesenden. Der gigantische Eingang des Berges, eine Art unterirdische Höhle und ein System aus verschiedenen Hallen, welches als Pechschwingen-Hort bekannt war.

„Der Angriff gegen Nefarian wird in drei Phasen verlaufen. Bei diesem Angriff werden wir allerdings nicht alleine kämpfen. Thrall, der Kriegshäuptling der Horde, hat uns seine Hilfe zuversichert. In Phase Eins werden wir die Hilfe der Horde auch dringend benötigen.“, erklärte Irene und holte tief Luft. Vidsyn verschränkte ihre Arme und hörte dieser Frau aufmerksam zu. „Phase Eins wird ein Ablenkungsmanöver darstellen. König Wrynn und Tyrande schicken eine beachtliche Anzahl von Truppen in den alten Stützpunkt der Horde im Ödland, Kargath. Dort werden sich unsere Truppen mit denen der Horde vereinen und die Drachenarmee aus dem Schwarzfels locken. So jedenfalls die Theorie. Wenn die Drachenarmee auf dieses Manöver herein fällt, wird sie den Schwarzfels fast schutzlos zurücklassen. Wir gehen von wenigen hundert Drakoniden aus, die zur Verteidigung zurückbleiben werden.“, sprach Irene und deutete dann auf die höhlenartige Skizzierung auf dem Zeichenbrett.

„In Phase Zwei werden die Dreizehn Siegel und einige weitere Spezialeinheiten den Schwarzfels infiltrieren. Das primäre Ziel wird dann diese Höhle sein. Es steht fast sicher, dass dort Nefarians Drachen gezüchtet werden, also ihre Brutstätte ist. Die besten noch lebenden Magier der Allianz werden sich um diese Brutstätte kümmern und dafür sorgen, dass nie wieder ein Drache das Licht der Welt erblicken wird.“, erzählte sie weiter und deutete anschließend auf den Pechschwingen-Hort. Viele der Anwesenden ahnten bereits um was es sich bei Phase Drei handelt.

„In Phase Drei müssen wir in den Pechschwingen-Hort eindringen und Nefarian ein für allemal töten. Der Hort wird wahrscheinlich schwer bewacht sein, darum können wir nur eine kleine Einheit hinein bringen, ohne sofort entdeckt zu werden. Einen offenen Kampf dürfen wir unter keinen Umständen riskieren.“, beendete Irene ihren Vortrag und übergab das Wort wieder an Abraxasar.

„Vidsyn, ich möchte das ihr euch um die Beseitigung von Nefarian kümmert. Gimply, Honigblume und Raven werden euch bei diesem Unterfangen begleiten.“, sagte Abraxasar zu Vidsyn gerichtet. Vidsyn gab auf die Frage keine Antwort.

Ein wohl durchdachter Plan, doch hatte er an allen Ecken und Kanten Fehler. Vidsyn wusste genau, dass diese Höhle keine Brutstätte, sondern ein Ausbildungsplatz für die Drakoniden war. Frisch geschlüpfte Drachen und sogar einige Großdrachen würden dort sein, das sichere Todesurteil für jeden der die Höhle betritt. Auch würden die Streitkräfte in Kargath nicht lange durchhalten. Abraxasar vergaß, das er gegen schwarze Drachen und nicht gegen ein paar ungebildete Gnolle antrat. Einen offenen Kampf gegen den schwarzen Schwarm zu überstehen würde an ein Wunder grenzen. Nur der Teil mit dem ‘Nefarian töten’ gefiel ihr. Allerdings würden ein Gnom und ein Draenei sie nur behindern. Doch würde es nicht auffallen, wenn die beiden in der Hitze des Gefechts leider sterben.

Vidsyn war erstaunt, wie naiv dieser Abraxasar doch war. Von einem großen Anführer der Allianz hätte sie deutlich mehr Kombinationsgabe erwartet.

„Nefarian wird bald tot sein. Mit diesem Plan werden wir Nefarian unverhofft erwischen, mit einem direkten Angriff würde er niemals rechnen.“, sagte Vidsyn sehr glaubwürdig. Abraxasar schloss seine Augen und verfluchte Vidsyn innerlich. Sie reagierte genau so, wie er vermutet hatte.

„Der Angriff wird in wenigen Tagen beginnen. Bereitet euch auf diesen Tag gut vor, denn es könnte unser letzter sein.“, sprach Abraxasar und öffnete wieder seine Augen. Vidsyn und Raven standen von ihren Stühlen auf und gingen auf den Ausgang des Raumes zu. „Wir danken für deine Hilfe, Königin der Klingen.“, sagte Abraxasar, ohne Vidsyn anzuschauen. Er starrte leer in die Luft und wartete auf die Antwort Vidsyn’s.

„Sehr gerne.“, gab diese kurzgebunden zurück und verließ gemeinsam mit Raven den Raum. Einige Minuten des Schweigens vergingen. Gimply wollte gerade von seinem Stuhl aufstehen, als Abraxasar erneut das Wort ergriff.

„Es wird keinen Angriff geben.“, sagte er diesmal fast schon kraftlos. Allen Anwesenden im Raum wich jegliche Farbe aus dem Gesicht, nur Irene schien nicht überrascht zu sein. Sie wurde als einzige in Abraxasar’s Plan eingeweiht. Einen Plan, um Vidsyn’s wahre Natur an den Tag zu bringen.

„Die Beutebucht wurde nicht angegriffen. Fordring plant derzeit seinen Aufbruch nach Nordend.“, fügte er hinzu. „Warum erzählst du dann so einen Quatsch?“, fragte Gimply empört nach.

„Die gestrigen Ereignisse haben mich zu dieser Entscheidung gedrängt. Würde dieser Plan in die Tat umgesetzt werden, würden tausende unserer Soldaten in einem aussichtslosen Kampf sterben. Die schwarzen Drachen sind praktisch unbesiegbar in einem offenen Kampf. Vidsyn weiß das genau. Desweiteren ist diese Höhle keine Brutstätte, sondern eine Art Ausbildungslager für junge Drachen. Ein Eindringen in diese Höhle würde unseren sichern Tod bedeuten. Auch hier bin ich mir sicher, das Vidsyn genau davon weiß. Der Schwarzfels ist im Moment uneinnehmbar, jeder Angriff würde erbarmungslos scheitern. Vidsyn hat diesem Plan nur aus einem einzigen Grund zugestimmt, nämlich um die Dreizehn Siegel und einen Großteil der Allianz schnell und effizient verschwinden zu lassen.“, erklärte Abraxasar und schloss erneut seine Augen.

Honigblume sprang von ihrem Stuhl auf und brüllte Abraxasar mit feuchten Augen an. „Woher willst du das so genau wissen? Vidsyn würde uns niemals ans Messer liefern!“

Gimply, Jhoro, Saba und selbst Boomy wussten auf diese Geschichte nichts zu antworten. Sie alle konnten sich eine derart kalte und durchtriebene Vidsyn nicht vorstellen. Doch spürten sie alle diese böse Aura um Vidsyn herum. Abraxasar schien erneut mit seinen Vermutungen recht zu haben.

„Was sollen wir jetzt tun?“, fragte Gimply seinen Anführer. „Das weiß ich leider auch nicht… wir sollten aber allmählich anfangen zu beten.“

Vidsyn fluchte innerlich. Zusammen mit Raven verharrte sie vor dem Kommandoraum und hörte jedes einzelne Wort mit. Es wäre einfach zu schön gewesen, wenn sich alle Probleme auf einen Schlag hätten lösen können. Langsam machte sie sich mit Raven auf den Weg zu ihrem Raum. Dort angekommen verschloss sie die Tür hinter sich und setzte sich auf einen der zahlreichen Stühle, während es sich Raven auf dem Bett gemütlich machte. Vidsyn seufzte unüberhörbar.

„Dieser Abraxasar ist doch kein alter Narr, wie ich erst dachte. Mir diese Falle zu stellen war ein sehr guter Schachzug seinerseits. Wir müssen nun sehr vorsichtig vorgehen.“, meinte Vidsyn. „Warum sollte dieser Kreuzzug nach Nordend aufbrechen wollen?“, fragte Raven die Schurkin. „Wenn ich das wüsste… wahrscheinlich um einen sinnlosen Angriff auf den Lichkönig zu starten. Vielleicht erhofft er sich dadurch Frieden in den östlichen Königreichen.“, sagte Vidsyn schulterzuckend. Dieser Kreuzzug war ihr momentan komplett egal, ihre gesamte Aufmerksamkeit schenkte sie diesem Abraxasar. Er könnte für ihre Pläne lästiger werden als alle Abaddon zusammen. Sie könnte die Dreizehn Siegel ohne Probleme auslöschen, doch hätte sie dann die Armeen der Allianz, der schwarzen Drachen und wohl möglich sogar der Horde im Nacken. Doch war sich Vidsyn einer Sache im Klaren:

Die Entscheidung in diesem Krieg rückte näher und sie wollte gewiss nicht als Verlierer das Feld verlassen.


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