Dreizehn Siegel - Eine Gilde der Allianz in der Festung der Stürme

Dreizehn Siegel Allianz Gilde

Kapitel 16 – Eine dunkle Nacht

„Na los, komm her und hol dir deine Tracht Prügel ab!“, meinte Raven zu seinem Gegner gewandt. Deutlich von dieser Aussage provoziert, sprang das Wesen auf Raven zu. Mit einem grinsen in Gesicht wich Raven geschickt aus und zog bei einer schnellen Drehen seinen verlorenen Dolch aus dem Rücken des Monsters. „Geht doch, danke.“, grummelte er. Mit beiden Dolchen in der Hand ging Raven seelenruhig auf eine der Hauswände zu. Ein langer Holzbalken ragte von der Decke, seine Spitze war abgebrochen und messerscharf. Mit Verachtung stellte sich Raven genau vor diesen Balken und verschränkte die Arme. Blut quoll aus der Wunde, in der Raven’s Dolch bis vor kurzem noch steckte. Doch schien es der Kreatur nichts auszumachen. In wilder Raserei stürmte es auf den wartenden Raven zu, direkt in seine Falle. Kurz bevor ihn das Wesen hätte angreifen können, machte Raven einen Ausfall nach vorne und rammte einen Dolch in das Bein des Angreifers. Ohne anzuhalten krachte es mit voller Wucht gegen die Wand, direkt in den gebrochenen Holzbalken. Blut spritzte aus der Wunde, wo sich der Balken komplett durch die Kreatur durchbohrte. Es hang fest, genau das was Raven wollte. Er konnte nicht anders, er musste einfach lachen. „Ihr Wesen seid erbärmlich. Gefährlich, aber dümmer als ein Haufen Kieselsteine. Lass dich nicht so hängen, ich bin gleich wieder da.“, meinte er und wandte sich nun Vidsyn’s Zimmertür zu. Sie war noch immer verschlossen, also nahm Raven erneut Abstand zur Tür. Mit großem Anlauf schmiss er sich erneut gegen die Tür, welche nun endlich nachgab und aufsprang. Mit viel Krach landete er auf dem Holzboden, direkt hinter einem weiteren Monster. Vidsyn stand neben ihrem Bett, zu Raven’s Glück mit einem Nachthemd bekleidet, aber so nahezu starr vor Angst. „Ohh, nicht gut!“, sagte Raven und sprang schnell wieder auf seine Beine. Das Wesen drehte sich zu ihm um und knurrte furchterregend.

Abraxasar öffnete mit einem Schlüssel eine weitere Eisentür. Hinter der Tür erwartete die Gruppe ein schlichter Tisch, auf dem ein Buch lag. „Das ist es.“, sagte Abraxasar und bat seine Mitglieder in den Raum. Mit einer Handbewegung entfachte er unzählige Kerzenständer im Raum, sodass er hell erleuchtet wurde. „Setzt euch.“, meinte er und deutete auf einige Stühle, die um den Tisch herum standen.
„Also gut. Ihr seid, außer mir, die einzigen Wesen auf Azeroth, die dieses Buch jemals lesen werden.“, erklärte Abraxasar und ließ sich auf einen der Stühle sinken. Gimply sah das Buch misstrauisch an. Kaum zu glauben, das dieses simple Buch so wichtig sein soll. Der Gnom griff nach dem Buch, hielt aber inne, als er Abraxasar’s seltsamen Blick sah.
„Was ist?“, fragte Gimply nach. „Ich hoffe, ihr seid euch sicher.“ Stille lag im Raum. „Ja, das sind wir!“, wandte Honigblume entschlossen ein. Abraxasar seufzte und rieb sich die Stirn. Wieder griff Gimply nach dem Buch und breitete es vor seiner Gruppe aus. Er öffnete es und fand einen Tagebucheintrag vor sich. Doch ließ bereits der erste Satz Gimply fast vor Schreck vom Stuhl kippen. „Der Eintrag wurde während des ersten Krieges geschrieben… das ist doch nicht möglich.“, meinte Gimply und ihm entwich jegliche Farbe aus dem Gesicht. Abraxasar gab keine Antwort. „Bist du dir sicher, dass dieser Raven hier alles niedergeschrieben hat?“ – „So schwer es vorzustellen ist, ja. Es ist mit absoluter Sicherheit sein Buch.“, antwortete Abraxasar. Gimply starrte wieder auf den Text vor sich. Honigblume und die anderen standen dicht hinter Gimply und lasen bereits eifrig die ersten Zeilen. Gimply tat es ihnen gleich und begann nun auch die ‚Wahrheit’ zu erfahren.

Kaum zu glauben, das diese Orks alles zerstört haben, woran wir fest glaubten. Morgen früh soll ich nach Lordaeron abkommandiert werden, die Lage scheint dort ziemlich ernst zu sein. Ich werde nicht eher ruhen, bis auch der letzte dieser Orks im Dreck liegt.

Außer diesem kurzen Eintrag war der Rest der Seite leer, also blätterte Gimply weiter.

Sergeant ‚Raven’ des 5. Infanterie-Regiments
Ich fass es einfach nicht. Meine Einheit wurde vollständig abgeschlachtet. Ich kann von Glück reden, das ich es bis nach Brill zurück geschafft habe.
Es sollte doch nur eine normale Patrouille durch die Grenzgebiete des Silberwaldes werden. In Lohenscheit machten wir in ein paar Minuten Rast, als wildes Geschrei durch die Straßen hallte. Ich wusste nicht, ob es schon wieder Orks waren. Unwahrscheinlich, denn von einem Großangriff hätten wir gewusst.
Meine Einheit griff nach ihren Waffen und wir verließen das Gasthaus. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Überall war Blut. Entstellte Menschen lagen auf den Straßen. Dann habe ich eines dieser… Dinger gesehen. Sie waren mindestens zwei Meter groß und hatten einen seltsamen Körper. Allein ihre Arme dürften schon die Länge eines erwachsenen Menschen gehabt haben. Lange Ohren, doch nicht so, wie ich sie von den Hochelfen kenne. Eher so wie Fledermäuse. Ihr Gesicht, wenn man es denn so nennen kann, war lang und enorme Reißzähne funkelten in der Nacht. Ihre Augen… ein Anblick, den ich wahrscheinlich nie wieder los werde. Glühende, rote Augen.
Ich sah mit meinen eigenen Augen, wie dieses Monster einem Menschen das Blut aussaugte. Diese Wesen können nur Dämonen sein, daran besteht kein Zweifel. Doch dachte ich, das das Dämonen beschwören schon lange verboten sei. So kann man sich irren.
Dieses Ding griff meine Einheit an. Es bewegte sich enorm schnell und durchschlug unsere Schilde und Rüstungen mit nur einem Hieb. Ich musste mit ansehen, wie einer nach dem anderen brutal hingerichtet wurde. Dann kamen noch mehr von diesen Dingern. Wir rannten um unser Leben. Außerhalb der Stadt wurde ich von meinen Kameraden getrennt, so schnell ich nur konnte, rannte ich in den Silberwald. Die Götter waren mir hold, sonst würde ich jetzt tot sein.

An dieser Stelle hörte der Eintrag plötzlich auf. Gimply und die anderen waren einfach nur sprachlos. Sie haben mit vielem gerechnet, aber nicht mit so einer Horrorgeschichte. „Abraxasar…“, murmelte Honigblume und sah ihn traurig an. „Raven schreibt über so genannte Abaddon.“ Mit dieser Aussage handelte sich Abraxasar verwirrte Gesichter ein. „Abaddon’s sind genau so, wie sie Raven damals beschrieb. Es sind finstere Wesen, deren Herkunft bis heute ungeklärt ist. Das einzige, was uns bekannt ist, ist das sie fast nur in der Nacht auftauchen und ihre Opfer vollkommen Blutleer zurücklassen.“, erklärte Abraxasar. „Wer sind ‚wir’?“, wandte Gimply skeptisch ein. „Wir, die Dreizehn Siegel. Schon immer bemüht sich unsere Gemeinschaft darum der Gefahr, die von diesen Kreaturen ausgeht, Herr zu werden.“
„Also führen wir schon seit dem ersten Krieg einen Kampf gegen diese Wesen?“, hakte Honigblume nach. „Nicht ganz. Die Abaddon existieren schon weitaus länger.“
Gimply kratzte sich am Kopf. „Ihr solltet nun weiter lesen.“, meinte Abraxasar freundlich. Der Gnom nickte und blätterte eine Seite weiter.

Raven machte einige Schritte zurück aus Vidsyn’s Raum. Zu seinem Glück folgte ihm der Abaddon. „Du…“, murmelte Vidsyn und sank auf ihre Knie. „Vidsyn, du musst kämpfen!“, brüllte Raven und wich einem Hieb des Abaddon aus. Durch den Aufruhr noch weiter aufgestachelt, zappelte der an der Wand hängende Abaddon mit aller Kraft um sich zu befreien.
„Vidsyn!“, brüllte Raven erneut und nahm einen seiner Dolche in die Hand. Der andere hang unglücklicherweise noch immer im Bein des gefangenen Abaddon’s. „Ich… kann nicht!“, hallte es plötzlich aus Vidsyn’s Raum. Raven seufzte innerlich. Mit einem schnellen Angriff rammte er seinem Gegner den Dolch mitten in den Kopf. Schnell rannte Raven zu der am Boden sitzenden Vidsyn und packte sie an ihren Schultern. Vidsyn erschrak und schaute Raven ängstlich in die Augen. Ein kurzer Blick nach hinten ließ Raven für einen Moment zur Ruhe kommen. Der Abaddon taumelte benommen durch die Gegend. Er griff nach dem seltsamen Schwert, das noch immer an seinem Gürtel hang und hielt es Vidsyn direkt vor die Nase. „Kämpfe.“, murmelte er. Vidsyn weitete ihre Augen und schaute Raven entsetzt an. „Ich kann nicht kämpfen!“, brüllte sie ihn ein weiteres Mal an. Der Abaddon schien langsam wieder zu sich zu kommen, die Zeit wurde knapp. Raven dachte nach. Ihm blieb nur eine Möglichkeit. Mit dem Schwert schnitt er sich eine tiefe Wunde in seine Hand. Das Blut quoll schnell heraus und tropfte unaufhörlich auf den Boden. „Trink.“, sagte Raven und schaute Vidsyn in die Augen. „Bist du total bescheuert? Ich trink doch kein Blut!“, meinte Vidsyn entsetzt und rutschte von Raven weg. Der Abaddon hinter Raven brüllte und zog sich mit seinen gewaltigen Klauen den Dolch aus seinen Kopf. Raven blieb keine Wahl. Er legte sich seine Hand auf den Mund und trank sein eigenes Blut, jedenfalls sollte es den Anschein machen. Ohne weiter zu zögern ging er auf Vidsyn zu und drückte seine Lippen auf die ihre. Vollkommen von Raven’s Verhalten überrascht, reagierte Vidsyn nicht. Ihre Augen weiteten sich, als sie spürte, wie etwas ihren Rachen hinunterlief. Gerne wäre Raven in dieser Position geblieben, doch hörte er lautes Gebrüll hinter sich. Der Abaddon schien ziemlich sauer zu sein. Er löste seinen Kuss von Vidsyn und stand auf. Ihr Gesichtsausdruck war leer, fast schon tot. Vidsyn schloss ihre Augen und atmete schwer. „Mein Schwert.“, sprach sie plötzlich, was Raven beinahe umgehauen hätte. Niemals hätte er gedacht, dass es funktionieren würde. Als Vidsyn ihre Augen öffnete, schien nichts mehr so wie vor wenigen Augenblicken gewesen zu sein. Ihre Augen waren Rot, leuchtend Rot, so wie man es nur bei den Abaddon’s kennt. Fast schon demütig reichte Raven Vidsyn ihr Schwert. Sie griff es und stand schnell auf. Mit ihrer Waffe in der Hand, ging sie emotionslos an Raven vorbei, direkt auf den rasenden Abaddon zu.

Sergeant ‚Raven’ des ehemaligen 5. Infanterie-Regiments
Ich verstehe einfach nicht, was hier vor sich geht. Brill wurde von diesen Bestien angegriffen! Ein wahres Massaker, soweit ich weiß, haben es nur sehr wenige Überlebt. Entweder gehören diese Dinger zu den Orks, oder wir haben es jetzt mit einem weiteren Feind zu tun.
Wieder kann ich mit Recht behaupten, das die Götter auf meiner Seite sein müssen. Ich hatte mich mit einigen Überlebenden im Gasthaus verbarrikadiert, wir hörten Todesschreie von außerhalb. Ich war absolut machtlos. Wenn diese Dinger rein gekommen wären, hätte ich niemanden beschützen können. Meine Einheit… meine Freunde… es waren sehr gute Soldaten, die schon hunderte Kämpfe hinter sich hatten. Doch wurden sie einfach von diesen Wesen niedergemetzelt.
Minuten fühlten sich wie Stunden an. Die Kinder und Frauen, die mit im Gasthaus waren, gerieten in Panik, als die Schreie näher kamen. Doch dann… wurde es still. Ich stand mit erhobener Waffe vor der verschlossenen Eingangstür des Gasthauses. Plötzlich floss Blut unter dem Türspalt hindurch. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits mit meinem Leben abgeschlossen. Ich wollte aber nicht Kampflos sterben. Wenn es mir wenigstens gelingen würde, eines dieser Dinger mit in den Tod zu nehmen… dann wäre mein Tod nicht sinnlos gewesen. Entgegen meiner Erwartung, brach aber keines dieser Dinger durch die Tür. Ich hörte auch niemanden mehr, weder Schreie der Einwohner, noch dieses markerschütternde Knurren. Ich entschied mich die Tür zu öffnen… eine schlechte Entscheidung.
Vor der Schmiede in Brill sah ich ein junges Mädchen. In ihrer rechten Hand hielt sie ein seltsam aussehendes Schwert. Ich kenne mich eigentlich sehr gut mit Waffen aus, aber so eine kam mir noch nie unter die Augen. Vor dem Mädchen lag eines dieser Wesen… regungslos, überall war Blut. Ich traute meinen Augen nicht. Sollte dieses Mädchen etwa… es war einfach unvorstellbar. Doch schien sie wirklich eine Kämpferin zu sein, jedenfalls ließ ihre Kleidung den Schluss zu. Eine dunkle Lederrüstung, glaube ich jedenfalls.
Das Mädchen reagierte nicht. Soweit ich das von der Tür aus sehen konnte, starrte sie auf den toten Körper des Angreifers. Plötzlich drehte sich das Mädchen zu mir um. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, jede Faser meines Körpers schrie ‚Schließ die Tür!’
Ihre Augen sahen genau so aus, wie die, dieser Wesen. Sollte sie etwa auch so ein Ding sein? Aber warum sah sie aus wie ein Mensch?

„Redet Raven über… Vidsyn?“, fragte Gimply ungläubig, als er das Ende des Eintrages las. Abraxasar seufzte und nickte. „Höchstwahrscheinlich, doch bin ich mir nicht sicher, ob er sie meint.“ – „Das ist vollkommen unmöglich! Der erste Krieg liegt fast ein ganzes Jahrhundert zurück, Vidsyn müsste mittlerweile Steinalt sein! Und Raven… dürfte auch nicht mehr so Jung sein. Was zur Hölle geht hier vor sich?“, platzte es aus Gimply heraus. „Gimply…“, murmelte Honigblume. Sie schien am ganzen Leib zu zittern. Gimply blätterte eine Seite weiter, doch war sie leer. Blutspuren zierten die Seiten, doch keine Buchstaben. Gimply und seine Mitleser erschraken. Die nächsten Seiten waren ebenfalls leer und blutverschmiert, doch, nach einigen weiteren Seiten, tauchte ein weiterer Tagebucheintrag auf. Abraxasar schloss seine Augen und ließ seine Mitglieder gewähren.

Mit ihrem Schwert fest in der Hand, ging sie weiter auf den tobenden Abaddon zu. Mit ihrer freien Hand glitt sie plötzlich die Schneide der Klinge entlang. Blut trat aus der Wunde aus und lief die seltsame Rille des Schwertes entlang. Die kleinen Öffnungen, welche zur Schneide führten, füllten sich mit ihrem Blut. Bis zu der Spitze des Schwertes lief es weiter, wo es am Ende langsam hinuntertropfte. Vidsyn verzog keine Miene. Ihre leuchtend-roten Augen funkelten dem Abaddon emotionslos entgegen. Wie aus dem Nichts machte der Abaddon einen Satz auf Vidsyn zu. Raven, der wie gelähmt dem Schauspiel zusah, reagierte nicht. Mit großem Respekt sah er ihrem Handeln zu. Vidsyn sprang plötzlich dem Abaddon entgegen. Geschickt duckte sie sich unter einem Hieb des Monsters hinweg und rammte ihr vor Blut tropfendes Schwert mitten in seinen Rücken. Der Abaddon brüllte vor Schmerzen. Das Schwert durchbohrte seinen riesigen Körper, der Boden unter dem Monster tränkte sich mit seinem dunklen Blut. Die Stelle, wo das Schwert seinen Körper durchbohrte, schien plötzlich zu versteinern. Der Abaddon fiel auf seine Knie und sah Raven in die Augen. Die leuchtenden Augen des Monsters wurden dunkler. Sein gesamter Körper schien von dieser Versteinerung befallen zu werden. Ein letztes Mal brüllte der Abaddon, bevor das Leben aus seinen Augen erlosch. Vidsyn stemmte ihr Rechtes Bein in den Rücken des Abaddon’s und zog ihr Schwert wieder heraus. Wie eine Statue kniete der Abaddon im Zwischenraum des maroden Gebäudes. Raven starrte den Abaddon an. Mit einem erleichterten Grinsen schlug Raven dem Monster den versteinerten Kopf vom Rest des Körpers, der schließlich in unzähligen Teilen zersprang. Vidsyn kümmerte sich nicht weiter um den toten Gegner, ihre Aufmerksamkeit galt dem noch immer an der Wand gefangenen Abaddon. Raven sah ihr mit Wonne zu, wie sie die Kreatur in zwei Teile schlug. Die Beine und alles, was damit zusammen hing, fiel auf den Boden und versteinerte auf der Stelle. Unmengen Blut, soviel wie Raven schon lange nicht mehr sah, strömte aus dem abgetrennten Torso des Abaddon’s.
„Vidsyn… alles in Ordnung?“, fragte Raven vorsichtig. Vidsyn stand noch immer vor dem verblutenden Abaddon und rührte sich nicht. Plötzlich ließ sie ihr Schwert fallen. „Vidsyn…“, murmelte Raven. Vidsyn sank laut weinend zu Boden. Raven rannte schnell zu ihr und kniete sich neben sie. Er legte ihr eine Hand auf die Schulter, doch schlug sie Vidsyn weg. „Was hab ich getan? Was zur Hölle habe ich getan?“, schluchzte Vidsyn und vergrub ihr Gesicht in ihren blutverschmierten Händen. Ihr vorher so sauberes Nachthemd war ebenfalls vom Blut ihrer Gegner getränkt.
Der Geruch des Todes lag in der Luft.
„Wir sollten gehen.“, meinte Raven und stand wieder auf. „Lass mich in Ruhe! Ich kenn dich nicht mal!“, gab Vidsyn energisch zurück. Eine unvorhersehbare Situation für Raven. Er wusste aber auch, das wahrscheinlich noch mehr Abaddon’s in der Nähe waren, also sollten sie so schnell wie möglich verschwinden. Aber ohne Vidsyn’s Vertrauen ist das nicht ganz so einfach. Vidsyn verstummte plötzlich. Ihre Augen waren längst wieder zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückgekehrt. Eine extreme Müdigkeit befiel sie, unter großer Kraftanstrengung schaffte sie es, ihre Augen offen zu halten. Sie fiel vorne herüber, wurde aber von Raven aufgefangen. „Schlaf gut, Vidsyn. Lass dir alle Zeit, die du brauchst.“, flüsterte er ihr zu. Vidsyn schloss ihre Augen und fiel in einen dumpfen Schlaf.
Raven beobachtete Vidsyn noch eine Weile, wie sie seelenruhig in seinen Armen lag. Seltsame Geräusche vom Erdgeschoss des Gebäudes ließen Raven aber wieder zur Besinnung kommen. Erneut nahm er Vidsyn auf seine Arme und ging schnell ins Schlafzimmer des Gebäudes. Mit einem starken Tritt öffnete er ein großes Fenster, welches direkt über dem Bett war. „Großartig.“, murmelte Raven. Es war mittlerweile tiefe Nacht, er schien länger geschlafen zu haben, als er dachte. Überall auf der Straße waren Abaddon’s zu sehen, die Orientierungslos durch die Gegend schlurften. Vorsichtig stieg Raven auf das Fensterbrett und sah sich um. Raven sah vor sich ein relativ heil gebliebenes Dach, das sollte reichen. Ein fast fünf Meter weiter Sprung, mit Vidsyn auf seinen Armen. Er ging tief in die Knie und stieß sich mit aller Kraft ab. Fast mühelos und lautlos überwand er diese weite Entfernung. Die Abaddon’s bemerkten Raven glücklicherweise nicht. Rasch bewegte sich Raven von Dach zu Dach, auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft für den Rest der Nacht.

Abraxasar saß still auf seinem Stuhl und dachte nach. Er wusste, wenn sie noch weiter lesen würden, müsse er ihnen einiges erklären. Doch wurde die Geschichtsstunde durch das aufknallen der Eingangstür unterbrochen. Eine junge Frau, gekleidet in einer weißen Robe, stand plötzlich vor der Gemeinschaft. Gimply und alle anderen fuhren erschrocken zusammen. „Aeonus, wir haben Probleme!“, rief sie durch den ganzen Raum. „Was ist passiert, Irene?“ Gimply wandte sich wieder Abraxasar zu und schaute ihn fragend an.
„Wir haben für einen kurzen Augenblick eine gewaltige Energiequelle feststellen können. Sie kam ganz eindeutig aus den östlichen Königreichen, der genaue Standort wird gerade ermittelt.“, sagte die junge Frau aufgeregt. „Eine Energiequelle? Habt ihr sie gefunden?“, hakte Abraxasar nach. „Das wissen wir nicht, aber wir brauchen sie dringend
im Kommandoraum!“
Abraxasar nickte und stand auf. „Wer ist das?“, platzte es aus Gimply heraus. „Wir müssen mit weiteren Erklärungen leider warten. Folgt mir bitte, ich muss euch einigen Leuten vorstellen.“
Fragende Gesichter blickten Abraxasar an, doch taten sie was er sagte. Zusammen mit der unbekannten Frau verließ die Gruppe den Raum und machten sich auf den Weg zum ominösen Kommandoraum. Ein seltsames Gefühl machte sich in Gimply breit… doch wusste er nicht was. „Langsam reicht’s mir mit diesen Überraschungen…“, murmelte er und folgte Abraxasar.


Bon-Kredit Erfahrungsbericht


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