Dreizehn Siegel - Eine Gilde der Allianz in der Festung der Stürme

Dreizehn Siegel Allianz Gilde

Kapitel 11 – Die Reise beginnt

Langsam verschwand die Sonne und die Dämmerung machte sich über Dalaran breit. Vidsyn saß in einem der zahlreichen verfallenen Häuser und dachte nach. Die letzten Tage stellten ihr gesamtes Leben auf den Kopf. Nichts, aber auch rein gar nichts, war mehr so, wie es einmal war. Und wahrscheinlich würde auch nichts mehr so werden wie es einmal war.
Laute Schritte rissen Vidsyn aus ihren Gedanken. Gimply, der noch immer ziemlich genervt war, stand im Türrahmen und schaute Vidsyn an. „Abraxasar hat mir diese dämliche Formel aufgeschrieben. Das Schwert hat er auf deinem Pferd verstaut.“, sagte er. „Mein Pferd?“ – „Willst du zu Fuß laufen? Dann gehst du aber alleine.“, gab Gimply zurück.

Plötzlich war von außerhalb lautes Gerede zu hören. Gimply drehte sich im Türrahmen um und starrte direkt auf eine hell-leuchtende Kugel. Vidsyn stand mittlerweile neben ihm und schaute verwirrt auf eben jene Kugel. „Ein Portal. Es scheinen noch mehr die Idee gehabt zu haben, nach Dalaran zu flüchten.“, sagte Gimply bevor er wieder mit Fragen gelöchert worden wäre.
Aus dem Portal erschienen mehrer Gestalten. Eine handvoll Menschen und ein laufender Rüstungsständer. Vidsyn hob eine Augenbraue und verließ das Haus. Sie ging geradewegs auf die Flüchtlinge zu, blieb allerdings vor einem seltsam aussehenden Klumpen Eisen stehen. Gimply folgte ihr und sah sich das Gebilde ebenfalls an. Als der Haufen Metall plötzlich anfing zu laufen, fiel Vidsyn vor Schreck beinahe rückwärts um. „Das ist doch… nicht möglich.“, meinte Gimply und sah dem laufenden Stück Altmetall hinterher. „Was denn?“, hakte Vidsyn nach, die sich langsam wieder zu beruhigen schien. „Diese Rüstung kenne ich doch. Warte hier.“, gab er zurück und lief zu dem, mittlerweile umgekippten, Eisenklumpen. Dort angekommen zog Gimply den übergroßen Helm von einem viel zu kleinem Kopf. Zum Vorschein kam ein grüner, mit drei Zöpfen verzierter Gnomen-Kopf. „Gimply?!“, hörte man es durch ganz Dalaran rufen.

Ein hitziges Wortgefecht der beiden Gnome entbrannte und Vidsyn stand mehr oder minder genau zwischen den Fronten. „Hallo?“, sagte Vidsyn dazwischen, doch niemand nahm sie überhaupt wahr. Sie hielt sich eine Hand an den Kopf und schüttelte ihn. Die beiden Gnome tauschten weiterhin motiviert Hasstiraden aus, als Vidsyn die Alptraumklinge in den von Grasbewachsenen Boden rammte und nun endlich die Aufmerksamkeit der laufenden Meter erlangte. „Danke… wer bist du?“, fragte sie, an die kleine Gnomin gerichtet. „Ich wüsste nicht was dich das angeht, Mensch. Warum sollte ich, die große Boomy, dir meinen Namen… ach verdammtnochmal.“, gab sie zurück und verschränkte die Arme.
Vidsyn war einfach nur zum Heulen zumute. Jetzt gab es plötzlich Zwei von Gimply’s Sorte. „Darf ich vorstellen? Boomy, die wohl nervigste Person von ganz Azeroth. Sogar noch nerviger als du, Vidsyn.“, erklärte Gimply. „Woher kennt ihr euch?“, fragte Vidsyn nach. „Eine längere Geschichte, auf die ich im Moment relativ wenig Lust habe zu erzählen.“, sagte Gimply genervt. Vidsyn seufzte und machte sich auf den Weg um Abraxasar zu suchen. „Wo willst du hin?“, rief ihr Gimply hinterher. Die Schurkin allerdings winkte ab und ging unbeirrt weiter.

Einige Zeit später fand sie Abraxasar in einem baufälligen Gasthaus wieder, zusammen mit vielen Flüchtlingen aus Seenhain. Honigblume und Saba waren ebenfalls dort und saßen an einem Tisch, versunken in Büchern, wie immer eigentlich. Abraxasar winkte Vidsyn bereits aus der Ferne zu sich. „Ich habe auf dich gewartet. Aber… wo ist Gimply?“ Vidsyn verdrehte die Augen. „Der hat wohl eine alte Bekannte wieder getroffen. Die beiden Streiten sich auf einer Lichtung. Anscheinend sind noch mehr Flüchtlinge mit einem Portal eingetroffen.“
Abraxasar seufzte. „Der gute Gimply. Eine sehr schwierige Person. Hinter dem Gasthaus stehen zwei Pferde bereit. Maladath ist sicher verschnürt auf deinem neuen Begleiter. Warte dort bitte, ich werde Gimply von seiner… Bekannten trennen und zu dir schicken. Danach werde ich mich um die Neuankömmlinge kümmern.“
Vidsyn machte sich sofort auf dem Weg zu ihrem Pferd. Sie konnte es kaum erwarten auf den Rücken dieses edlen Tieres zu steigen. In ihrer frühen Kindheit hatte sie bereits mehrfach auf einem Pferd geritten, sie würde es bestimmt noch immer können.

Vidsyn wartete, wie Abraxasar ihr sagte, hinter dem Gasthaus, als endlich Gimply um die Ecke bog, mit Boomy im Schlepptau. „Was soll das werden?“, fragte sie den Gnom. „Sie kommt mit…“, gab Gimply kleinlaut zur Antwort. Vidsyn fiel beinahe ihr Mund auf. „Was? Warum?“ – „Irgendjemand muss doch auf diesen Taugenichts aufpassen. Und da Menschen keinen deut besser sind, werde ich das übernehmen.“, erklärte Boomy und stolzierte auf das zweite Pferd zu.
Gimply seufzte genervt und sah Vidsyn fast schon traurig an. „Dann beeilt euch ein wenig, ich will heute noch nach Süderstade.“, sagte Vidsyn, ohne die Gnome großartig zu beachten. „Was willst du da? Die brennende Steppe ist am Hintern von Azeroth, es sind locker fünf Tage ritt bis dort hin. Was zur Hölle willst du dann in Süderstade“, wetterte Gimply sofort los. „Vertrau mir… nur einmal, Gimply.“, gab Vidsyn zurück.
Gimply war über das neugewonnene Selbstvertrauen der Schurkin mehr als Überrascht. Er hatte aber auch keine Lust sich mit zwei Frauen rumzustreiten, also willigte er ein.

Kurz darauf setzten sich die Pferde in Bewegung. Zu Gimply’s Ernüchterung musste er sich sein viel zu großes Pferd mit Boomy teilen. Er rechnete bereits mit einem intensiven Tinnitus wenn sie in Süderstade ankämen. Vidsyn trabte gemächlich los und traf, zu ihrem vollsten Erstaunen, vor der Taverne eine riesige Anzahl Flüchtlinge. Es waren die Flüchtlinge aus Seenhain und ihre guten Freunde. Abraxasar, Honigblume und Saba wollten die Reisenden unbedingt noch verabschieden. Honigblume stürmte sofort auf Vidsyn los und packte ihre Hand. „Vidsyn, pass gut auf dich auf.“ Ihr Blick wanderte ein Stück hinter Vidsyn, direkt zu Maladath. „Dieses Schwert… es muss sehr wichtig sein. Ich hoffe, dass du auf deiner Mission erfolg haben wirst. Komm unbeschadet zurück.“, sprach Honigblume mit zittriger Stimme. Gimply verschränkte unterdessen seine Arme und schaute enttäuscht in die Masse. „Das gilt auch für dich, Gimply! Wenn dir etwas passiert, werde ich dich eigenhändig aus dem Reich der Toten zurückholen um dich umzubringen.“, rief die Priesterin mit einem fiesen Grinsen dem Magier zu. Das erste mal in Vidsyn’s Leben konnte sie etwas annäherndes wie ein Lächeln in Gimply’s Gesicht sehen. Die Priesterin ging einige Schritte zurück und übergab das Wort an Abraxasar.

„Ihr beiden… ihr drei habt eine gefährliche Reise vor euch. Niemand weiß, wie weit die Drachen bereits vorgerückt sind. Überlegt jeden eurer Schritte gut und haltet zusammen, dann werdet ihr auch diese Reise sicher überstehen. Das Licht segne euch.“, sprach Abraxasar und verbeugte sich vor der kleinen Gruppe. Er ging einige Schritte zurück und deutete auf einen gepflasterten Pfad. „Folgt diesem Weg und verlasst die Barriere dort, wo auch der Weg aufhört.“
Vidsyn nickte und lächelte unter ihrer Maske der Gruppe zu. „Bis bald.“, sagte sie und setzte sich in Bewegung. Gimply trottete mit seinem Pferd hinterher. Boomy verstand diese ganze Aufregung kein bisschen und machte es sich, so gut es eben ging, auf dem Rücken des Pferdes gemütlich. Honigblume drückte sich einige Tränen zurück und winkte der Gruppe hinterher, was die Flüchtlinge ihr gleich taten. Für Vidsyn kein einfacher Moment, doch würde die Schurkin sie nicht enttäuschen.
So begann der lange Weg zum Altar der Stürme, ein Weg voller Drachen und anderen Gefahren. Eine gefährliche Zeit brach über dem östlichen Königreich heran…


Wer erhält Kredit?


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